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Harlan - Im Schatten von Jud Süß (DVD)
Harlan - Im Schatten von Jud Süß . Dokumentarfilm. D 2008. Regie: Felix Moeller. FS: ab 12 Jahren. - Länge: 100 min . Bildformat: 16:9. Tonformat: Dolby Digital Stereo 2.0. Exklusiv auf dieser DVD: Alexander Kluge über Veit Harlan in einem 48-minütigem Interview. Extras: ausführliches Booklet.
Als ebenso besessener wie begabter Künstler ist Veit Harlan neben Leni Riefenstahl die schillerndste Figur des Nazi-Films. Ein Spezialist für nationalen Kitsch und Todesverklärung, ein Melodramatiker, ein ebenso verblendeter wie talentierter Vorzeige-Künstler. Dennoch sind selbst heute noch viele von der Ästhetik und düster-verführerischen Kraft der Harlan-Filme fasziniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Veit Harlan seine Karriere in der Bundesrepublik fortsetzen, obwohl er für seinen antisemitischen Film "Jud Süß" zweimal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wurde.
Felix Moeller erzählt mithilfe von zahlreichen Filmaussschnitten und erstmals gezeigtem Privatmaterial aus dem Familienarchiv die Geschichte des umstrittenen Regisseurs. Weiteres wichtiges Element dieses Kinodokumentarfilms sind die Interviews mit Harlans Familienangehörigen und ihre bis heute andauernde Auseinandersetzung mit dem Erbe der Schuld:
Veit Harlans ältester Sohn Thomas und seine Töchter Maria und Susanne erlebten zwei Prozesse gegen den Vater, der danach aber scheinbar ungebrochen weiter Filme in der jungen Bundesrepublik drehte. Ihre Reaktionen darauf fielen – zerrissen zwischen Vaterliebe und Abrechnung – teilweise extrem aus. Veit Harlan polarisierte die Gesellschaft der 50er Jahre. War er Nazi? War er Antisemit? Ein „Mordinstrument“ nannte Thomas Harlan den Film "Jud Süß" und brach mit dem Vater – zu einer Versöhnung kam es erst auf dem Totenbett. Seine Schwester Maria wollte nach dem Krieg Schauspielerin werden und musste den Namen Harlan ablegen, um Engagements zu bekommen. Bis hin zu Veit Harlans Nichte Christiane, Witwe des legendären Regisseurs Stanley Kubrick, reicht diese verzweigte Familie. Christianes Bruder Jan Harlan, Produktionsleiter bei Kubrick, erinnert sich, dass Stanley Kubrick - möglicherweise inspiriert durch die familiäre Verbindung - einen Film über den Alltag der Nazi-Filmproduktion geplant hatte.br>
Neben den Erfahrungen der zweiten richtet sich der Blick des Films auch auf die dritte Harlan-Generation: mit Neugier, Scham oder auch bewusster Distanz reagieren sie auf die Konfrontierung mit der Familiengeschichte. Dieser Schatten von "Jud Süß" ist, freilich abgeschwächt, auch noch in der dritten Generation der Harlans spürbar. Thomas Harlans Tochter, die in Frankreich zur Schule ging, wurde wegen der „Nazi-Großeltern“ beschimpft. Jessica Jacoby - der eine Großvater war Veit Harlan, der andere ein im Holocaust umgekommener jüdischer Kaufmann - verkörpert wie keine andere die Spaltung deutscher Familien in Opfer und Täter.
In dem mit zahlreichen Filmausschnitten und erstmals gezeigtem Privatmaterial aus dem Familienarchiv montierten Dokumentarfilm reflektieren Veit Harlans Söhne, Töchter und Enkel das Schicksal der Familie in der Nachkriegszeit und den Einfluss der Vergangenheit auf das eigene Leben bis heute.
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